Inhalte in den Vordergrund, Rollen statt Hierarchien – ein Corporate Newsroom hat immer mit Veränderung zu tun. Um damit erfolgreich zu sein, braucht es klare Verantwortlichkeiten, Transparenz innerhalb des Teams und Commitment aller Beteiligten.
„Damit im Newsroom alle Prozesse reibungslos ablaufen, war es wichtig, Rollen und Verantwortlichkeiten zu definieren.“
– Stephanie Bauer-Pramhas, voestalpine
Ein Corporate Newsroom braucht konkret vier Rollen (das ist eine der wichtigen Eigenschaften des Newsroom-Modells), die aufeinander angewiesen sind und zusammen das Werk am Laufen halten.

Nicht jede Rolle bzw. jedes Team muss aus unzählig vielen Personen bestehen – manchmal kann ein:e Mitarbeiter:in auch mehrere Rollen einnehmen (abhängig von der Größe der Organisation). In der Praxis ist es in diesem Fall unglaublich wichtig, sich der jeweiligen Rolle samt dem Handlungsspielraum bewusst zu sein.
Damit zur Kurzbeschreibung der vier Rollen und was genau dahinter steckt.
1. Strategieteam
Das Strategieteam besteht aus mehreren Personen und ist vergleichbar mit der Chefredaktion einer Zeitung. Dort werden die inhaltlichen Impulse gegeben – immer in Abstimmung mit der Gesamtstrategie.
- Legt Zielgruppen und Prioritäten fest
- Entwickelt übergeordnete Kommunikationsziele
- Definiert strategische Themenfelder
- Gibt die inhaltliche Linie des Newsrooms vor
- Prüft Wirkung und Effizienz (z. B. durch Reporting-Impulse)
Im Newsroom-Alltag trifft sich das Strategieteam meist alle zwei oder drei Monate, mehr Abstimmungen sind meist nicht notwendig.
2. Chef:in vom Dienst (CvD)
Die bzw. der Chef:in vom Dienst ist eine Funktion, die aus dem Journalismus übernommen wurde und im operativen Betrieb den Ausgleich zwischen Themen und Inhalt herstellt. Sie:er ist die zentrale Stelle, über die das komplette Tagesgeschäft abgewickelt wird. Scompler fasst die Rolle pointiert als „Stratege, Moderator und Themen-Kenner“ zusammen.
- Moderiert die Redaktionssitzung (z. B. 1x pro Woche) sowie die tägliche Morgensitzung
- Koordiniert zwischen Themen- und Kanalverantwortlichen, verteilt Aufträge
- Überwacht Termine und Deadlines, gibt den Content zur Veröffentlichung frei
- Reagiert auf kurzfristige Ereignisse (z. B. Medienanfragen, Krisen)
- Hält Überblick über den Redaktionsplan
- Schafft Klarheit bei Priorisierung und Ressourcenverteilung
Kann oder möchte ein:e CvD etwas nicht alleine entscheiden (etwa in grundlegenden Positionierungs-Fragen), wird sie:er sich im Strategieteam vergewissern. Dabei hat sich bewährt, dass die:der CvD Teil des Strategieteams ist.
3. Themen-Manager:innen
Das journalistische Pendant zu den Themen-Manager:innen sind Reporter:innen. Idealerweise sind es die Aufdecker:innen, die aus dem inneren Antrieb heraus die besten Geschichten suchen und auch finden. Sie sind bestens vernetzt und wissen immer eine Antwort bzw. wissen zumindest, wie sie zu den Infos kommen.
- Recherchieren Themen aus Abteilungen, Teams, Einheiten, usw.
- Schlagen proaktiv Inhalte vor und bereiten diese auf
- Sind verantwortlich für inhaltliche Korrektheit
- Planen Storylines, Formate und koordinieren die Produktion (können diese teilweise auch selbst übernehmen)
4. Kanal-Manager:innen
Geschichten so zu erzählen, damit sie unsere Zielgruppen ansprechen ist der Job der Kanal-Manager:innen. Sie wissen, wie diese ticken und haben die größte Medien-Kompetenz im Team. Daher werden sie oft als „Anwält:innen der Nutzer:innen“ bezeichnet und stellen das wichtige Gegengewicht zu den Themen-Manager:innen dar.
- Bereiten Inhalte zielgruppengerecht auf (z. B. Social Media, Website, Newsletter)
- Übertragen Themeninhalte in passende Formate (Video, Post, Artikel)
- Achten auf Timing, Design, Sprache & Stil pro Kanal
- Planen Veröffentlichungen (z. B. mit Redaktions- oder Social-Media-Tool)
- Analysieren Reichweite, Engagement, Klicks – bringt Learnings ins Team zurück
- Geben Produktionen in Auftrag bzw. setzen diese selbst um
Nächster Schritt: Prozesse & Tools
Um all diese Rollen im Newsroom zusammenzubringen, kommt keine Organisation daran vorbei, Prozesse aufzusetzen, durchzudiskutieren und transparent zu definieren. Mein Tipp: Am besten im Team anhand von ein paar Fällen aus der Praxis beispielhaft durchspielen, wie die Zusammenarbeit künftig aussehen könnte. Dabei wird ziemlich schnell klar, was funktionieren kann und was nicht.
Wie für den Newsroom im Allgemeinen gilt für Prozesse im Besonderen, dass es keine Vorlage mit Erfolgsgarantie gibt. Ihr müsst das gemeinsam erarbeiten – nur so kann es funktionieren. Und mit welchen Tools und Hilfsmitteln ihr euch die Arbeit erleichtern könnt, werde ich in einem späteren Blogartikel näher beschreiben.




